Varroa-Milbe

Die Varroa-Milbe (Varroa destructor) ist der gefährlichste Parasit der Honigbiene (Apis mellifera) und zählt zu den Hauptursachen für das Schwinden und Zusammenbrechen von Bienenvölkern weltweit. Sie befällt sowohl die Brut als auch erwachsene Bienen, schwächt das Immunsystem der Tiere und überträgt gleichzeitig Viren wie das Deformed Wing Virus (DWV). Für Imker stellt die Varroa-Milbe daher eine dauerhafte Herausforderung dar.

 (https://de.wikipedia.org/wiki/Varroamilbe)

Biologie und Lebensweise der Varroa-Milbe

Die Varroa-Milbe ist ein äußerer Parasit, der sich auf den Bienenkörpern festsetzt. Sie ist nur wenige Millimeter groß, bräunlich gefärbt und gut sichtbar, wenn man die Bienen genau betrachtet.

Lebenszyklus:

  1. Befall der verdeckelten Brutzellen:
    Die weibliche Milbe betritt eine Zelle kurz bevor sie verdeckelt wird. Dort legt sie Eier ab, und die Larven entwickeln sich gleichzeitig mit der Bienenbrut.
  2. Befall erwachsener Bienen:
    Nach dem Schlüpfen verlassen die Milben die Brutzelle und setzen sich auf erwachsene Bienen, um Nahrung zu entnehmen.
  3. Vermehrung:
    Varroa-Milben vermehren sich rasant, da ein einzelnes Weibchen mehrere Nachkommen pro Brutzyklus produziert.

Besonderheit: Die Milbe überträgt Viren, die sonst in der Population wenig Schaden anrichten würden. Besonders betroffen ist das Deformed Wing Virus, das für verkrüppelte Flügel und reduzierte Lebensdauer sorgt.

Symptome eines Varroa-Befalls

Ein Befall kann zunächst unbemerkt bleiben, entwickelt sich aber schnell zu einem ernsthaften Problem für das Volk. Typische Anzeichen sind:

  • Verkrüppelte oder deformierte Flügel bei Jungbienen
  • Schwache, kränkliche oder lethargische Bienen
  • Lückenhafte Brut, auffällige Brutausfälle
  • Übermäßiger Winterverlust der Völker
  • Vermehrtes Auftreten von Krankheiten durch geschwächtes Immunsystem

Tipp: Regelmäßige Kontrollen, besonders im Spätsommer und nach dem Winter, helfen, den Milbenbefall frühzeitig zu erkennen und zu handeln.

Verbreitung der Varroa-Milbe

Weltweit

Die Varroa-Milbe stammt ursprünglich aus Asien, wo sie die Asiatische Honigbiene (Apis cerana) befiel. Seit der Einschleppung in die westliche Honigbiene hat sie sich weltweit verbreitet:

  • Europa
  • Nordamerika
  • Südamerika
  • Australien

Situation in Deutschland

  • Die Varroa-Milbe ist flächendeckend verbreitet.
  • Jede Imkerei in Deutschland ist potenziell betroffen.
  • Gesetzlich wird die Kontrolle der Milbenpopulation empfohlen, um das Überleben der Bienenvölker zu sichern.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Bekämpfung der Varroa-Milbe ist ein zentrales Thema in der modernen Imkerei. Erfolgreiche Strategien kombinieren chemische, biotechnische und züchterische Maßnahmen.

1. Organische Säuren

  • Ameisensäure: Wirkt sowohl auf erwachsene Milben als auch auf Milben in verdeckelter Brut.
  • Oxalsäure: Besonders wirksam in brutfreien Zeiten (z. B. Winterbehandlung).
  • Vorteile: Umweltfreundlich, keine Rückstände im Honig, schonend für die Bienen.

2. Ätherische Öle

  • Thymol, Menthol: Bekämpfen Milben auf erwachsenen Bienen.
  • Einsatz meist in Kombination mit Brutmanagement für maximale Wirksamkeit.

3. Biotechnische Maßnahmen

  • Brutentnahme oder Drohnenbrut schneiden: Da Milben Drohnenbrut bevorzugen, kann gezieltes Entfernen diese reduzieren.
  • Königinnenabsperrung / Brutunterbrechung: Unterbricht die Vermehrung der Milben, da sie auf Brut angewiesen sind.

4. Züchterische Maßnahmen

  • Verwendung von varroatoleranten Bienenlinien, die hygienisches Verhalten zeigen (z. B. Entfernen befallener Brut).
  • Langfristige Reduktion der Milbenpopulation durch Zuchtprogramme.

Prävention und gute Praxis

  • Regelmäßige Kontrollen der Völker, vor allem im Spätsommer und nach dem Winter
  • Starke und gesunde Völker fördern
  • Keine unkontrollierten Ableger oder Bienentransporte
  • Kombination von organischen Säuren, Biotechnik und Zuchtmaßnahmen für nachhaltige Kontrolle

Varroa-Bekämpfung ist ein fortlaufender Prozess, kein einmaliges Ereignis!

 

Weiterführende Imformationen:

Behandlung der Bienen

Varroamilbe auf Bienenpuppe

1982 wurde es in Berlin erstmalig erforderlich die Bienen gegen die Varroamilben zu behandeln.

Dieser Parasit war über verschiedene Wege nach Berlin gekommen. Wir lernten mit diesem Quälgeist umzugehen. Um unsere Völker im Winter nicht zu verlieren, wurde nach der Honigernte eine Behandlung durchgeführt. In den ersten Jahren schrieb der Veterinär uns die Mittel vor. Eine unter das Bienenvolk gelegte Unterlage ("Windel") fing die herunterfallenden toten Milben auf. Die Windeln mussten dem Veterinär eingereicht werden, damit der Behandlungserfolg festgestellt werden konnte. Einer Zählung nach starben zwischen 500 und 1000 Milben.

Nachdem verschiedene Behandlungsmittel zur Anwendung kamen, die teilweise Rückstände im Honig hinterließen und gegen das die Milben resistent wurden, haben wir die Behandlung mit Ameisensäure aufgenommen, damit unserem naturbelassenem echten Bienenhonig kein Schaden zugefügt wird.

Heute sind wir selbst die Fachleute. Ende Juli wird der letzte Honig aus den Völkern herausgenommen. Wir behandeln unsere Völker mit Ameisensäure und seit 2006 zusätzlich mit Oxalsäure.

Nassenheider Verdunster

Erste Behandlung

Diese erfolgt Ende Juli/ Anfang August im "Nassenheider Horizontal Verdunster".

Zweite Behandlung

Jene wird 4 Wochen später durchgeführt. In der Zwischenzeit hat wiederum eine starke Vermehrung der Milben stattgefunden. Wo viele Imker dicht an dicht stehen, findet sehr schnell eine Reinfektion statt.

Dritte Behandlung

Die Behandlung erfolgt im Oktober ebenfalls im Nassenheimer Horizontal. Eine Außentemperatur von über 10°C wäre erforderlich. Im November wird sicherheitshalber der natürliche Totenfall bei den Milben eine Woche lang gezählt. 0,5 Milben pro Tag wären zulässig, dann könnte die letzte Behandlung entfallen.

Vierte Behandlung

Falls diese erforderlich ist, folgt sie im Dezember, mit Träufeln von Oxalsäure. Dazu müssen die Völker brutfrei sein und eine Außentemperatur von über 3°C muss herrschen. Mit dieser Behandlung gibt es nur noch geringe Winterverluste. Viel schlimmer sind auf dem Lande die eingesetzten Spritzmittel und die kleinen Unterlassungssünden der Imker. Die Behandlungsmittel werden sich sicherlich noch öfter ändern bis es eine Biene gibt, die von selbst mit diesem Parasiten auskommt. Für uns heißt es erst einmal durchhalten und weitermachen, um die Bienen für unsere Natur zu erhalten.